Marina Beach Boys

Chennai, India

Es gibt Orte in Indien, die zwar nicht auf der Liste der Top-Sehenswürdigkeiten für ausländische Touristen stehen, für mich aber von besonderer Attraktivität sind. Der Marina Beach in Chennai ist so ein Ort. Der 13 Kilometer lange Sandstrand ist bei indischen Touristen wie bei den Einwohnern Chennais gleichermaßen beliebt. Vor allem in den Abendstunden und an den Wochenenden flanieren und picknicken tausende Besucher am nördlichsten Strandabschnitt. Dort ist der Strand bis zu 400 Meter breit und es gibt zahllose Snackbars und Souvenirhändler. Wahrscheinlich deckt sich die Vorstellung der meisten Europäer von einem schönen Strand nicht mit dem, was sie am Marina Beach erwartet. Es ist laut, schmutzig und vorm Baden wird aus mehreren Gründen gewarnt. Nicht zuletzt ist die Strömung unberechenbar und selbst für geübte Schwimmer nicht ganz ungefährlich. Nun haben es die meisten Inder sowieso nicht so sehr mit dem Schwimmen. Wenn überhaupt könnte man das Plantschen nennen, was dort zu beobachten ist. Hinzu kommt, dass die berittene Polizei jeden rüde aus dem Wasser pfeift, der weiter als Kniehöhe im Wasser steht. Und trotzdem liebe ich den Marina Beach. Selbst wenn ich nur ein paar Stranden zum Zwischenstopp in Chennai bin, lass ich mich zum Strand fahren, um ein bisschen Seeluft zu schnuppern, ein paar Schwätzchen zu halten und natürlich auch zum Fotografieren. Von alleine wäre ich jedoch nicht auf die Idee gekommen, Menschen am Strand in Unterwäsche zu fotografieren. Aber so selbstverständlich es ist, dass die Frauen in kompletter Bekleidung am Strand flanieren und baden gehen, ist es für viele Männer selbstverständlich, kaum dass sie den Sand unter den Füßen spüren, sich bis auf die Unterhosen auszuziehen und ausländische (männliche) Touristen aufzufordern, Fotos zu machen.

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