Little Indian Village – Vision einer alternativen Unterkunft

Das Little Indian Village findet man in Arambol, im Norden Goas, früher bekannt als Sehnsuchtsort vieler Hippies. Auch heute noch sitzen alte und junge Hippies am Strand, singen zur Gitarre oder tanzen beim Sonnenuntergang zu den Trommeln. Mittlerweile dominieren jedoch russische Gäste das Bild von Arambol. Darunter viele Männer mit ihren Frauen, die oft zu jung und zu schön erscheinen, als dass sie altersmäßig und auch sonst zusammenpassen würden. Vielleicht stimmt das aber auch gar nicht und es liegt daran, dass die Frauen schon zu Besuch bei Jelena und Soni waren, den Betreibern der Little Indian Village. Dazu gleich mehr. Die russischen Männer jedenfalls, trinken nicht nur den Schnaps, sondern kaufen gleich die ganze Bar. Eine Reihe an Pensionen und Restaurants sind längst unter russischer Leitung. Trotzdem hat Arambol kaum etwas von seinem Charme verloren. Immer mehr entwickelt es sich zu einer Enklave für Yoga-, Meditations- und Gesundheitsanhänger. Nur das die Yogalehrerin jetzt Olga heißt, die Meditation von Alexej angeleitet und der Ernährungskurs von Ljudmila gehalten werden.

Da scheint es nur konsequent, dass Soni und Jelena das Little Indian Village in Arambol angesiedelt haben. Nur wenige Minuten vom Strand entfernt, betritt man ein Minidorf, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.

Soni, indischer Staatsbürger und Jelena, estnisch-russischer Herkunft, haben sich zusammengetan und eine Unterkunft konzipiert, die sich ganz eng an dem Leben der indischen Dorfbevölkerung orientiert. Die Unterkünfte sind einfachst ausgestattet und haben, abgesehen von einem kleinen Bad, keinen Schnickschnack aufzuweisen. Aber darum geht es auch gar nicht. Wer im Little Indian Village übernachtet, will die Erfahrung machen, in einer indischen Gesellschaft mit einer traditionellen indischen Familie zu leben. Drogen oder Alkohol werden auf dem Grundstück nicht geduldet. Auch Tagesbesucher, die nur mal vorbeischauen wollen, sind nicht erlaubt. Die Gäste müssen ein Zimmer vorab reservieren und Soni und Eli behalten sich das Recht vor, Gäste abzuweisen, die ihrer Meinung nach nicht ins Village passen.
 
Begonnen hatte alles mit Soni’s Karriere als Musiker. Er war einer der aufstrebenden Künstler, die Mitte der 90er Jahre in Mumbai die Hip-Hop-Revolution in Indien begründeten. Er veröffentlichte Alben mit Plattenlabels wie EMI Records und BMG Records. Die surreale Mischung aus traditionellen Sounds und modernen Beats und Texten kamen an. Nachdem er mit vielen älteren Komponisten zusammengearbeitet hatte, stellte er schnell fest, dass Indien unzählige einzigartige Musikstile und Instrumente hatte, die international kaum bekannt waren. So reiste er etwa 12 Jahre durch ganz Indien, lernte Volksmusik und Sufi von lokalen Musikern kennen sowie die vielen indischen Instrumente zu spielen, die sie benutzten.
 
Während seiner Reisen lernte Soni die alte Kunst des gesunden Lebens von den Menschen in den verschiedensten Dörfern kennen. Dieses Wissen geht auf die uralten Lehren der Veden zurück. Während Medikamente und Ayurveda die Heilung nach der Krankheit fördern, ist das Ziel der vedischen Lehren: Vorbeugen ist besser als heilen.
 
Nach seiner Reise entschied sich Soni einige Zeit in Goa zu verbringen, um von internationalen Künstlern zu lernen. Dies war eine Zeit, in der EDM-Musik und Psytrance-Partys populär wurden. Er trifft Jelena, die bis dato in einem renommierten Krankenhaus in London arbeitete. Mit Sonis Wissen über die traditionelle indische Medizin und Jelena’s Kenntnis der modernen Medizin wurde eine perfekte Partnerschaft geboren. Jelena pausierte ihre Arbeit in England und zog nach Indien. Gemeinsam beschlossen sie, ein Stück Land in der Nähe des Strandes zu mieten und ihre Fähigkeiten zu nutzen, mit dem Ziel die Zeitmaschine „Little Indian Village“ zum Leben erwecken.
 
Der Plan stand und sie begannen ganz alleine mit der Bebauung des Grundstücks. Soni nutzte alles, was er auf seinen Reisen gelernt hatte, und konstruierte jedes einzelne Haus auf dem Grundstück mit nichts als natürlichen Ressourcen. Die Wände sind aus Lehm und die Säulen und Dächer aus Bambussprossen und Palmen. Jelena schmückte und bemalte jeden Raum mit Elementen der alten indischen Kunst, inspiriert von den verschiedenen Kulturen, der Mythologie und religiösen Überzeugungen aus allen Ecken Indiens. Die Kanten der Häuser sind geschwungen und sollen den Eintretenden das Gefühl häuslicher Atmosphäre, Gelassenheit und Frieden vermitteln. Die Fenster und Eingänge sind mit traditionellen Seiden-Sarees drapiert.
 
Aktuell arbeiten die Beiden daran, eine Reihe von Kosmetika herzustellen, die aus Naturstoffen stammen, die aus ganz Indien kommen. In Verbindung mit dem medizinischen Know-how von Jelena wird eine Reihe von Produkten und Behandlungen konzipiert, die Gäste zwischen 8 und 10 Jahre verjüngen sollen. Ölmassagen und Haarkuren werden schon jetzt angeboten und gerne von russischen Frauen gebucht. Damit ist die Eingangsfrage beantwortet, weshalb viele Männer, Frauen an ihrer Seite haben, die deutlich jünger ausschauen. Sie sind gar nicht jünger, sie waren bei Soni und Jelena.

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